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KLW konkret: Lohnt sich Kreislaufwirtschaft wirklich?

  • 11. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Genau dieser Frage widmete sich die dritte Ausgabe von KLW konkret am 10. Juni 2026. Rund 50 Teilnehmende diskutierten gemeinsam mit drei Expertinnen über die Wirtschaftlichkeit der Kreislaufwirtschaft. Die Referentinnen beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: aus der Praxis, aus der Forschung und mit Blick in mögliche Zukunftsszenarien.


Marlies Fritschi von 3PLab spricht bei KLW konkret über kreislauffähige Geschäftsmodelle in der Praxis.

Kreislauffähige Geschäftsmodelle in der Praxis

Den Auftakt machte Marlies Fritschi vom 3PLab. Sie zeigte anhand konkreter Beispiele, wie Unternehmen Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich umsetzen können.


Im Zentrum stand die Frage, wie bestehende Geschäftsmodelle weiterentwickelt werden können. Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht nur Recycling. Besonders interessant sind Strategien wie Reparatur, Wiederverwendung oder Remanufacturing, bei denen der Wert eines Produkts möglichst lange erhalten bleibt.


Anhand verschiedener Praxisbeispiele zeigte Marlies Fritschi auf, wie Unternehmen neue Rollen einnehmen können. So werden Händler zu Produzenten oder Produzenten zu Dienstleistern. Gleichzeitig zeigte sie anhand der sogenannten Effectuation-Methode auf, wie Unternehmen mit Unsicherheit umgehen können. Statt auf perfekte Prognosen zu setzen, empfiehlt dieser Ansatz, mit den vorhandenen Ressourcen zu starten, überschaubare Risiken einzugehen, Partnerschaften aufzubauen und neue Möglichkeiten unterwegs zu entdecken.


Key Notes

  • Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, den Wert von Produkten und Materialien möglichst lange zu erhalten.

  • Erfolgreiche Geschäftsmodelle entstehen oft schrittweise und nicht durch einen perfekten Masterplan.

  • Statt auf Prognosen zu setzen, lohnt es sich, mit den vorhandenen Ressourcen zu starten.

  • Kleine, verkraftbare Risiken erleichtern das Experimentieren mit neuen Ansätzen.

  • Partnerschaften und Zusammenarbeit sind oft wichtiger als Konkurrenzdenken.

  • Unerwartete Entwicklungen können Chancen für Innovation und neue Geschäftsmodelle eröffnen.



Lohnt sich Kreislaufwirtschaft?

Im zweiten Input präsentierte Dr. Rahel Meili von der Berner Fachhochschule aktuelle Forschungsergebnisse zur wirtschaftlichen Wirkung der Kreislaufwirtschaft.

Für die Schweiz liegen mittlerweile repräsentative Unternehmensdaten zur Kreislaufwirtschaft vor. Sie zeigen ein differenziertes Bild: Unternehmen mit ersten Kreislaufwirtschaftsaktivitäten weisen häufig eine höhere Produktivität auf. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Skalierung solcher Ansätze anspruchsvoll bleibt.


Besonders positiv wirken sich Effizienzmassnahmen aus, weil sie Kosten senken und die Produktivität erhöhen können. Bei Massnahmen zur Schliessung von Kreisläufen zeigt sich dagegen kein klarer wirtschaftlicher Effekt. Massnahmen zur Lebensdauerverlängerung können sich kurzfristig sogar negativ auswirken.


Die wirtschaftliche Realität ist dabei oft ernüchternd: Primärrohstoffe sind vielerorts noch günstiger als Recyclingmaterialien, Umstellungen verursachen Kosten und die Nachfrage nach zirkulären Angeboten bleibt teilweise unsicher. Dennoch fiel das Fazit von Dr. Rahel Meili klar aus: Kreislaufwirtschaft ist weniger eine kurzfristige Sparmassnahme als vielmehr eine Investition in die Zukunft. Unternehmen, die früh beginnen, Kompetenzen aufbauen und erste Erfahrungen sammeln, verschaffen sich langfristig Vorteile.


Key Notes

  • Rund jedes vierte Schweizer Unternehmen hat Kreislaufwirtschaft bereits substanziell im Geschäftsmodell verankert.

  • Der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft kann die Produktivität steigern.

  • Effizienzmassnahmen zeigen aktuell die deutlichsten wirtschaftlichen Vorteile.

  • Viele zirkuläre Ansätze rechnen sich heute noch nicht unmittelbar, unter anderem wegen hoher Umstellungskosten und günstiger Primärrohstoffe.

  • Langfristig sprechen Ressourcenknappheit, steigende Umweltkosten und neue Marktchancen für die Kreislaufwirtschaft.

  • Erfolgreiche Unternehmen beginnen früh, bauen Kompetenzen auf und entwickeln ihre Aktivitäten schrittweise weiter.


Dr. Martina Kühne spricht bei KLW konkret über mögliche Zukunftsszenarien der Kreislaufwirtschaft in Zürich.

Ein Blick in die Zukunft

Zum Abschluss warf Dr. Martina Kühne von kühne wicki einen Blick ins Jahr 2035. Nicht als Prognose, sondern als Einladung, über mögliche Zukünfte nachzudenken.


In drei Szenarien zeigte sie, wie Kreislaufwirtschaft in Zürich künftig aussehen könnte. Im Szenario «Garantiert aus Zürich» werden Langlebigkeit, Reparatur und Verlässlichkeit zum Wettbewerbsvorteil. Unternehmen verkaufen nicht mehr einfach Produkte, sondern garantieren deren Nutzung über mehrere Jahre hinweg.


«Wildes Wiedikon» erzählte von einem perfekt durchorganisierten Netto-Null-Quartier, das erst durch ungeplante Begegnungen, spontane Projekte und die Menschen vor Ort wieder lebendig wird. Kreislaufwirtschaft zeigte sich hier nicht nur als technisches System, sondern auch als soziale Frage.


Im dritten Szenario, «Josys Erbe», wurde Reparieren zum neuen Wertsystem. Wer Dinge flickt, sammelt Punkte, die in der Stadt eingelöst werden können. Aus einer kleinen Reparaturbewegung entsteht ein System, das ökologische Wirkung mit wirtschaftlichem Anreiz verbindet.


Die drei Szenarien machten deutlich: Zukunft lässt sich nicht einfach vorhersagen. Aber sie lässt sich denken, diskutieren und mitgestalten. Gerade für Unternehmen lohnt es sich, den Blick über das Naheliegende hinaus zu öffnen und neue Handlungsmöglichkeiten frühzeitig zu erkennen.


Key Notes

  • Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, aber mitgestalten.

  • Unternehmen profitieren davon, verschiedene Zukunftsszenarien mitzudenken.

  • Kreislaufwirtschaft kann neue Geschäftsmodelle, neue Formen des Zusammenlebens und neue Wertsysteme ermöglichen.

  • Wer früh handelt, kann Veränderungen als Chance nutzen.


Fazit

Die Diskussionen des Abends zeigten deutlich: Die Frage, ob sich Kreislaufwirtschaft lohnt, lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten.

Während einige Massnahmen bereits heute wirtschaftliche Vorteile bringen, benötigen andere Ansätze längere Zeithorizonte und passende Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sprechen steigende Ressourcenpreise, zunehmende Umweltkosten und neue Marktchancen dafür, dass Kreislaufwirtschaft für viele Unternehmen an Bedeutung gewinnen wird.


Oder anders gesagt: Kreislaufwirtschaft ist nicht einfach ein Kostenfaktor. Sie kann auch ein strategischer Hebel sein, um Unternehmen resilienter und zukunftsfähiger zu machen.


Vielen Dank an Marlies Fritschi, Dr. Rahel Meili und Dr. Martina Kühne für ihre wertvollen Inputs, die klaren Einordnungen und die vielen Denkanstösse.

Julia Feldmann serviert den Apéro beim KLW konkret Anlass in den Soda Studios.

Ein herzliches Dankeschön geht an Julia Feldmann von Frau Feldmann, die den Abend kulinarisch abgerundet und ganz praktisch gezeigt hat, wie Kreislaufwirtschaft auch auf dem Teller funktionieren kann.

Ein grosses Merci geht auch an Soda Studio für die Gastfreundschaft und an Carmen Helbling von Bluemelokal für die wunderschönen Slow Flowers.



Beim anschliessenden Austausch wurden die Ideen aus den Inputs weiterdiskutiert, neue Kontakte geknüpft und Erfahrungen geteilt. Genau dafür wurde KLW konkret ins Leben gerufen.


 
 
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